Ankersuppe

Ankern ist voll mein Ding

Ich wollte gerne noch etwas über das Ankern philosophieren, bevor mein Törn losgeht.

Eines vorweg, es ist nicht leicht über das Ankern zu schreiben, oder besser ,es zu beschreiben. Und zwar nicht aus technischer Sicht, sondern emotional, als Erlebnis in der Natur, als Abenteuer auf dem Wasser und als wassersportliche Herausforderung.
Vielleicht ist es leichter eine Situation zu schildern, die ich als unglaublich schöne Zeit bezeichnen möchte.

In einer kleinen Bucht am Ostufer von Æbelø habe ich dicht unter Land geankert. Einen Anker vorne und einen hinten, damit ich nicht zur Küste treibe.
Vor mir ragt ein steiler Abhang 20 Meter empor, darüber Wald mit 40 Meter hohen Bäumen. Über dem ganzen blies der Wind mit meist 7 Windstärken hinweg. Und unten bei mir messe ich 3 Bft im Maximum. Nur ein wenig Schwell kam vom Kattegat herein. Ansonsten lag ich drei Tage und Nächte dort, unbehelligt von dem was 60 Meter über mir tobte. Mit dem Schlauchboot fuhr ich herüber an Land, um auf der unbewohnten und naturbelassenen Insel lange Wanderungen zu unternehmen. Am Abend gab es Pesto, aus frischem Bärlauch von Æbelø.
Der Wind hielt Besucher von See, sowie von der Landseite davon ab, mich und mein Robinson-Dasein zu stören. Das war eines meiner intensivsten Segelerlebnisse, ganz ohne Segel.

Ankern gibt mir Geborgenheit. Das Boot ist dann die einsame Hütte am Strand, nur eben ein Stück weiter im Wasser. Eine Oase der Ruhe.
Auch wenn der Weg das Ziel ist, habe ich gerade vor Anker oft das Gefühl, angekommen zu sein.
Jedenfalls solange bis ich mich daran sattgesogen habe, und wieder weiterziehen möchte.
Vielleicht doch mal in einen Hafen, um die sozialen Skills wieder einmal aufzufüllen.

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Ankergrund

Ich brauche keinen Ankergrund, ich brauche eher einen Grund, um in einen Hafen zu fahren.
Ich ankere als Zwischenstopp nur für die Nacht, oder als Reiseziel für mehrere Tage. Ich ankere auch noch bei Windstärke 6, aber nur wenn es potenziell nicht noch mehr wehen wird.
Ich ankere eigentlich überall wo ich Schutz vor dem Seegang habe.
Manchmal ankere ich abends in der Nähe eines Hafens, den ich besuchen möchte, frühstücke am nächsten Morgen noch in Ruhe und wenn die ersten dann Ablegen, mache ich mich auf in den Hafen. Dann habe ich den ganzen Tag Zeit, um das Angebot des Hafens in Anspruch zu nehmen, einzukaufen und den Ort zu besichtigen. Und kein Problem eine leere Box zu finden.

…und Häfen?

Ich bin gerne in einem fremden Hafen, weil ich nicht unbedingt muß.
Ich finde Schutz vor Stürmen, Einkaufsmöglichkeiten, Gespräche, schöne Ortschaften, oder interessante Städte.
Aber tendenziell sind Marinas eben eher voll, eng, hektisch und laut. Es ist ein Campingplatz auf dem Wasser, nur daß dein Zeltnachbar nur einen Meter neben dir wohnt.

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In Maasholm, meinem Heimathafen, sehe ich zu, daß ich schnell Land gewinne, oder besser Leine ziehe. Also sieht es dort immer so aus: Parken, Auto leer- und Boot vollmachen, spät abends essen und todmüde in die Koje fallen. Morgens Dusche, Bäcker, Boot seeklar machen, Schild auf „frei“ drehen und raus aus dem Mastenwald. Durchatmen. Diesel riechen. Schleimünde passieren. Kurs setzen, Segel setzen. Frei. Weg. Raus….

Und wenn ich den ganzen Tag weg von Maasholm gesegelt bin, dann mache ich das Ankergeschirr klar, für die erste Nacht vor Anker.

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4 Antworten zu Ankersuppe

  1. H. F. schreibt:

    Brilliant in Worte gefasst, was das Ankern für mich ausmacht…!

  2. Joachim Wagner schreibt:

    Hallo Max, wir haben auf unserem Törn Aschanti besucht, Sie sieht besser aus den je zuvor. Falls wir uns nicht mehr sehen wünsche ich Dir einen schönen Törn und immer eine handbreit Wasser unterm Kiel. Gruss Joachim

    • segelsuppe schreibt:

      Hallo Joachim,
      Gut zu wissen, daß Aschanti noch über der Wasserlinie liegt. Dan bedanken wir uns herzlich für euren Besuch. Schöne freie Tage und gute Reise.
      Gruß Max

  3. mirror schreibt:

    Hallo Max, bin gerade dabei deinen Blog über 2013 nachzulesen. Wie ich bereits in einem FB-Kommentar vom Ostseestammtisch schrieb, werden sich Themen mit meinem Trip von 2010 decken oder zumindest annähern. Das Thema Autopilot zB oder das Ziel und der Weg dorthin etc. .
    Aber bei deinen Gedanken über das Ankern trifft musste ich spontan kommentieren, denn da hast Du für mich mitgeschrieben. 2010 noch nicht so, war ja erst mein erstes Vollsegeljahr, aber die Reise in 2012 rund Åland und die Schären ab Navekvarn waren ein Ankerparadies.
    Gruß Walter

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