Ankern Teil 2

In meinem letzten Beitrag habe ich über das Ankern sinniert und technische Details bewusst weggelassen. Deshalb kommt der Technikteil jetzt noch hinterher.

Ankerwache

Ein Boot, das ankert, befindet sich nach der SeeSchStO in Fahrt, also es nimmt weiter am Verkehr teil. (Breit zu ankern kann den Lappen kosten!) Ich finde das nicht übertrieben. Man kann auch vor Anker Schiffbruch erleiden.
In einer Sturmfront kann der Wind plötzlich um 180 Grad drehen und man hängt vor einer Luvküste in Legerwall bei 2 Meter hohen Wellen.
Nicht nur wechselnde Windrichtung, auch Windstärke, Seegang, gebrochenes Ankergeschirr oder ein slippender Anker können einen in Seenot bringen.
Wie soll man da ruhig schlafen?

Ich erzähle einfach mal wie ich das so mache, wenn ich ankere. Das ist sicherlich nicht allgemeinverbindlich und der Weisheit letzter Schluss. Und ich bin immer gerne offen für schlaue Tipps und kluge Strategien, nicht nur beim Ankern.

Der Hauptanker

Anker rein, rückwärtsfahrend eingraben und gut. Geht auch. Ist aber nicht so meins. Man braucht genug Wassertiefe im Radius um den Anker und der Anker muß sich bei drehenden Windrichtungen neu eingraben können, oder sich eingegraben mitdrehen können.

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Der Hauptanker sollte „fett“ sein. Eine Klasse größer als angegeben. Das schafft Vertrauen, wenn er sich bei Rückwärtsfahrt richtig eingräbt. Ich habe einen 12kg Kobra-Pflugschar-Anker mit 8m Kette (10mm) und ca. 30m Ankerleine (16mm). Der passt zusammengeklappt gerade so in meinen Ankerhasten. Ich habe auch noch ein Reitgewicht, das ich an der Leine bis zur Kette runterlaufen lasse.
Viel Wind, viel Anker.

Der zweite Anker

Mein zweiter Anker ist ein Plattenanker 10kg mit 3m Kette (6mm) und Ankerleine mit Bleivorläufer. Plattenanker können sich bei Winddrehungen ausgraben und finden dann keinen Halt mehr. Deshalb sollte die Zugrichtung gleich bleiben.

Ich ankere überwiegend mit zwei Ankern, in unterschiedlichen Weisen.

1. In engstem Kreise, man sagt wohl Bahama-Stile.

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Ein Anker dicht unter Land, wo es gerade noch tief genug ist, den Anderen genau achterlich. Ungefähr in der Mitte beider Leinen mache ich einen Überhandknoten auf Slip und gebe noch etwas Leine nach.

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Dadurch habe ich einen minimalen Radius um den Verbindungspunkt beider Leinen. Der Schwojkreis und Schwojbewegung sind sehr begrenzt. Ich kann dicht unter Land liegen, geschützt und ohne Gefahr zu stranden.

2. In V-Form zur Windrichtung, bei Starkwind.

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Ich hänge wieder im Zentrum beider Leinen und die Schwojbewegung ist gering. Wenn ein Anker den Halt verliert, habe ich den Anderen. Ich kann bei beiden Ankern volle Leine geben.

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Ausbringen in zwei Zügen.

Und wie schläft man jetzt besser?

Wenn ich nicht schlafen kann, stelle ich den Ankerwächter vom Garmin GPS an. Kein Handy! Verbraucht zu viel Accu und geht einfach aus. Bei geringem Schwojkreis kann man die Tolleranz gering halten, ohne daß er sofort Alarm schlägt, trotzdem bekommt man sofort mit, wenn sich etwas verändert. Das beruhigt ungemein.

Gute Sichtbarkeit, also das Ankerlicht, ist obligatorisch. Ich setze lieber ein Licht im Cockpit, als das, was ich im Top habe, weil es näher am Bootskörper ist, als das Ankerlicht im Top 10m über dem eigentlichen Hindernis.

Bringen seitliche Wellen (Reflexwellen) das Boot zum rollen, kan man die Bugausrichtung mit einer zweiten Leine an der Ankerleine zur Welle hin verändern, so daß die Welle frontaler auftrift. Eine gute Mischung aus rollen und stampfen bringt Ruhe ins Schiff.

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Man kann den Zweiten Anker auch gut mit dem Beiboot ausbringen.
Besonders wenn man doch einmal auf Grund läuft, kann man sich über die Anker mit dem Beiboot ausgebracht, wieder in tieferes Wasser ziehen.
Übrigens, mit dem Beiboot mache ich oft im Hafen, in den Riesenboxen, die zweite Achterleine fest, wenn das Boot schon angelegt hat. Dann brauche ich mich nur um die Luv-Heckleine beim Anlegen zu kümmern.

Bei Starkwind oder Sturm Reitgewicht und volle Leine geben. Elastizität ist alles. Man kann auch mehrere Anker an eine Leine legen.

Plan-B, wenn im Sturm alles schief läuft, oder man die Anker nicht mehr raus bekommt, dann einen Fender ans Ende der Leine binden und loswerfen. Mit der Maschine oder segelnd kann man sich in einen Hafen oder in eine bessere Position retten. Die Anker kann man so auch später wieder finden und einsammeln.

…und jetzt gute Nacht.

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