Dänemarks Fjorde #3

 Åbenrå – und Genner Fjord

Als ich meinen Letzten Beitrag schrieb, lag ich bereits in einer Ankerbucht am Nordufer im Åbenrå Fjord, geschützt von einer bewaldeten, steilen Küste. Ich mag diese Landschaften, wenn ein hochgelegenen Wald an einer Abbruchkante ins Meer mündet. Diesen Abend machte ich eine lange Wanderung durch den Wald entlang des Ufers. Beim übersetzen bemerkte ich aufgrund nasser Füße, das Wasser im Schlauchboot war. Mehr Wasser, als sich durch Regen in den Ritzen hätte sammeln können. Mehr Wasser, demnach Meerwasser (die Geschmacksprobe war eindeutig), was mich zu der einzig möglichen Schlussfolgerung führte: Loch im Boot. Ein Loch im Schlauchboot führt, wenn nich gerade heftig Luft entweich, zum Glück nicht zum totalen Untergang, aber immerhin zu nassen Füßen. In einer Knickfalte hatte sich der Boden etwas vom Schlauch gelöst. Um mich um dieses Problem zu kümmern und um Strom in die Bordbatterie und Wasser in die Tanks zu bekommen, segelte ich am nächsten Morgen die zwei Meilen nach Apenrade oder auf dänisch Åbenrå.

Sowohl der Hafen als auch die Stadt haben mich nicht besonders in ihren Bann gezogen. Ich bekam Strom und Wasser, könnte meinen Müll loswerden und das Duschen war mit keinen weiteren zusatzkosten verbunden. Aber es war laut vom Hafenfetrieb und der angrenzenden Durchfahrtsstraße. Und alles war erfüllt von dieser hektischen Betriebsamkeit die immer vor Feiertagen ausbricht, wenn alles noch mal eben fertig werden muss. Deshalb ging ich nur einmal kurz durch die Fußgängerzone und habe danach lieber in Ruhe das Schlauchboot repariert. 

Am folgenden Himmelfahrtstag war es bedeutend ruhiger und gleich auch viel gemütlicher als am Vortag. Um die Mittagszeit legte ich ab. Mit der Maschine fuhr ich aus dem Fjord heraus, bis der Wind nicht mehr direkt von Vorne kam und ich weiter in nördlicher Richtung weitersegeln konnte.

Ich bin dann in den Genner Fjord eingebogen. Hier gibt es die Dybvig Bugt, wunderschön gelegen am Südwestufer des Fjordes. Hier wollte ich eigentlich übernachten. Aber ich vergaß, das dieser Tag in Deutschland zum „Vatertag“ verkommen ist. Und so kam es auch, daß eine kleine Besatzung dumm gröhlender, besoffen pöbelnder männlicher deutscher Proleten mich sehr schnell dazu bewogen hatte, mein Boot an diesem Nachmittag noch ungefähr sechzehn Seemeilen weiter von hier weg  zu verlegen. Sozusagen außer hörweite.

Manchmal bin ich es aber auch echt leid diese alberne Nationalflagge hinten am Heck führen zu müssen. Jederzeit als deutscher identifiziert werden zu können, ist mir so oft so peinlich. 


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