Dänemarks Fjorde #05

Kolding, kleiner Belt und Vejle Fjord

Der Kolding Fjord: ich war jetzt wenigstens auch mal da. Ich bin sogar bis zum Koldinger Stadthafen weitergefahren, aber auch gleich wieder umgekehrt ohne an Land gewesen zu sein. Es hatte mich einfach nicht gereizt wieder in einem großen Hafen in einer großen Stadt zu übernachten. Der Fjord selber ist vor allem am Nordufer stark bebaut. Kolding hebt sich durch seine industrikomplexe, Hafenanlagen und einigen Hochhäusern ab. Und am Eingang des Fjordes ist das weit sichtbare Kraftwerk, das jeder kennt, der schonmal durch den kleinen Belt gefahren ist. Es gibt allerdings einige schöne Ankerplätze um Skarre Odde, wo ich mir dann auch einen geschützten Platz gesucht habe. Alles in allem werde ich den Koldinger Fjord nicht unbedingt nocheinmal besuchen. Anders herum finde ich die Ankermöglichkeiten im Eingang der Förde durchaus empfehlenswert, allerdings mehr als schöne Übernachtungsmöglichkeit bei der Durchfahrt durch den Belt.

Am nächsten Tag brach ich erst so gegen 15 Uhr auf. Mit größtenteils entgegenkommendem Strom durchfuhr ich den Belt. Zeitweise könnte ich die Fahrt mit dem Vorsege etwas unterstützen, aber segeln konnte ich hier nicht, der Strom bremste mich zu sehr aus und vertrieb das Boot seitwärts bei dem Versuch. Dazu muss ich nocheinmal grundsätzlich erwähnen, dass man natürlich überall segeln kann. Aber ich will in erster Linie reisen, etwas sehen und erleben, und das leider in begrenzter Zeit, deshalb starte ich den Diesel immer dann wenn es am effektivsten ist, um ein Zielort zu erreichen.

So war es auch jetzt am Ausgang des Beltes.  Als ich um die letzte Ecke am Leuchtfeuer von Strib bog, erwartete mich die typische Kattegat Dünung bei guten vier Windstärken aus Nordost. Mein Ziel war der Vejle Fjord im Norden, dazu mußte ich aber um Trelde Næs und dessen vorgelagertes Flach, welches der südliche Eingang in diesen Fjord ist, aber genau in Richtung des Windes und der Welle lag. Gegenankreuzen unter Segeln hätte den Weg verdoppelt und die Zeit vielleicht verdreifacht und es war schon 17 Uhr. Da ich im Belt nicht in einen der großen Häfen wollte, am ehesten wäre ich noch zurück in den alten Stadthafen von Middelfart gefahren, habe ich mich entschieden die sieben Meilen um das Kap bei Trelde Næs zu Motoren. 

Das ist bei Seegang über einem halben Meter aber auch die unbequemste Art des Fortkommens. Beim Segeln liegt man schräg auf der Seite des Rumpfes und reitet die Welle sozusagen ab. Das ist irgendwie weich und anschmiegsam, jedenfalls da, wo Wind und Welle aus der gleichen Richtung kommt. Frontal in die Welle zu dampfen ist dagegen sehr ruppig und hart. Von Zeit zu Zeit kommt eine Schwesternschaften von zumeist drei etwas größeren Wellen. Durch die erste schneidet man noch durch. Die Zweite hebt das Boot an und bremst es so, dass es mit einem Bauchklatscher ins Wellental vor der Dritten kracht, die dann noch die letzte Fahrt aus dem Boot nimmt. Dann steht man da, bis das Boot langsam wieder Fahrt aufnimmt und die nächsten drei Schwestern heranrollen.

Zwei Stunden später nahm ich endlich Kurs auf den Vejle Fjord, in den ich nun gemütlich hineinsegeln konnte. Wind und Seegang hatten etwas nachgelassen und um 20 Uhr ließ ich in einer Bucht am Nordufer den Anker fallen. Der Vejle Fjord ist an beiden Ufern stark bewaldet und hat sich, anders als der Kolding Fjord, viel mehr Ursprünglichkeit bewahrt. Durch die hohen Ufer und mit den dichten Wäldern kommt hier zum ersten Mal das wahre Fjord-Feeling auf. 

Am folgenden Tag setzte ich die Fock in den Wind und ließ mich gemütlich in die Förde ziehen bis nach Vejle, wo die Autobahnbrücke, die in 50m Höhe den Fjord überspannt, das Einfahrtstor zur Stadt ist. Der Sportboothafen der Stadt war neu und riesig. Sieben mehrere hundert Meter lange Schwimmstege ragten ins Hafenbecken. Die Boxen waren großzügig bemessen mit Querstegen statt mit Pfälen. Wasser, Gästestrom, WLAN und die Benutzung der Dusche in den Badezimmern war inklusive. Aber ohne Bordfahrrad wäre ich aufgeschmissen gewesen. Die Wege im Hafen und in die Stadt waren richtig weit. 

Ansonsten gefiel mir Vejle durchaus gut. Es herrschte eine freundliche Atmosphäre. Obwohl Baustellen, Ausbaggerungen, das beladen der Frachtschiffe und die allesüberspannende Autobahn reichlich Stresspotenzial hatten, empfand ich es hier nicht als unentspannt und im Gegenteil als sehr relaxed. Nach 24 Stunden in Vejle kreuzte ich  mit Vollen Segeln zurück zum Ausgang der Förde, genoss die Kulisse bei strahlendem Sonnenschein und warf den Anker am alten Platz am Nordufer.


 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Von Unterwegs veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s