Freitag der 13, das musste ja so kommen

Und warum sich das alles dennoch gelohnt hat

Am Freitagmorgen drehte der Wind und kam nur noch schwach aus West. Beste Bedingungen, um meine Lieblings Insel zu besuchen und in meiner lieblings Bucht zu Ankern, Æbelø. Mit den Fjorden bin ich jetzt irgendwie auch durch. Im Horsens Fjord war ich schon mal und ich wollte nicht zu weit nach Norden. Was ich aber wollte war unbedingt mal wieder nach Æbelø. 

Am Mittag war ich auch schon da, perfekt. Schlauchboot zu Wasser und hinüber an Land. Mist, das blöde Ding(i) macht schon wieder Wasser. Jetzt löst sich unter Last inne der Boden vom Schlauch. Da komme ich schlecht heran. Da kann ich die Klebeflächen nicht richtig zusammendrücken. An Land setzte ich zumindest von außen einen Flicken drauf. Aber es ist zu befürchten, dass wenn ich an der falschen Stelle einsteige, ich das Boot als Rettungsring tragen kann. Also alles ganz vorsichtig.

Nach einem traumhaften Tag auf Æbelø kam dann noch vor dem Abendessen der Wind. Natürlich schaue ich mir den Wetterbericht an. Beim Dänen, beim DWD und beim Norweger sogar mit stündlicher Prognose genau für diesen Ort. Aber ich hatte es unterschätzt. Ich hatte schon bei der Ansteuerung versucht südlicher unterhalb der Insel zu ankern, aber da wurde es mir zu flach und ich drehte wieder ab. Es sollte auch nur in den Abendstunden etwas nördlicher drehen.

Bei West oder Südwest liegst du hier wie in einem Kokon. Das ganze fiese Wetter spielt sich weit über dir und der Steilküste ab. Aber bei Nordwest und nördlicher wird es hier ekelig. Da schützt nur noch ein kleiner vorgelagerter Steinwall vor dem was da kommt und ab Nordwind liegst du offen in der Bucht, sozusagen auflandig in Legerwall. 

Um 21 Uhr ging der Tanz los. Mit fünf Windstärken aus Nord, also blöd, nicht nur der Wind, vielmehr ich. Ich habe es ja eigentlich gewusst, habe es mir aber schöngeredet und der Norweger hatte seine Prognose auch immer schön nachkorregiert. Ich band mir einen Fender in die Ankerleinen damit ich diese im Notfall loswerfen könnte, ohne beide Anker zu verlieren. Wenn ich ins schlieren gekommen wäre, wäre ich weiter draußen an Ankerbojen gegangen. Motor, und Beiboot waren auch startklar. Schnelles Essen aus der Dose und eine Tablette gegen die Seekrankheit linderten die stärksten Beschwerden. 

Bis nach Mitternacht lag ich vollbekleidel in der Koje und achtete auf die Geräusche und Bewegungen. Und es bewegte sich. Dann ging der Wind wieder hinter den Steinwall und später hinter die Küste. Jetzt fing das Rollen im Schwell der Wellen an. Der Bug drehte sich in den Wind und Aschanti stand nun quer zu den Wellen die noch als Echo die Bucht erreichten. Rollen ist das seitliche Drehen und in meinem Fall mindesten einen halben Meter zu jeder Seite. Das hörte dann auch nicht mehr auf, obwohl der Wind zurückdrehte und nachließ. In meiner Koje rollte ich mit, zeitlich etwas versetzt aber trotzdem noch im Takt.

Während der ganzen Zeit in der ich in meiner misslichen Lage ausharren musste, hörte ich ein Hörbuch über die Schiffbrüchigen der Shackleton-Expedition vor 100 Jahren. Denen ging es mies. Die mussten leiden, jedenfalls weitaus mehr als ich gerade. Da kam bei mir erst garkeine fatalistische Stimmung auf. Mit traurig schöner Melancholie in mir schlief ich dann um 2 Uhr erschöpft ein. Hin und her geschüttelt schaffte ich es immerhin bis 6 Uhr zu schlafen und dann auch noch eine Kanne Kaffee zu kochen. 

Ich segelte am frühen Morgen zurück durchden kleinen Belt in ruhigere Gewässer. Und auch Shackleton hatte im Verlauf meiner Rückfahrt seine gesamte Besatzung lebend zurückgebracht. Jedoch den Tag auf der einsamen und naturbelassenen Insel Æbelø haben die Widrigkeiten in der Nacht nicht ein bisschen trüben können.

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