Testfahrt oder das neue Segelkleid

… von wechselnden Winden und Segeln

Ich liege zur Zeit im Nordhafen von Ebeltoft, mit Blick auf die Fregatte Jylland, der ich bereits gestern meine Aufwartung machte. Ebeltoft ist das Entfernungsziel meiner Reise, der Scheitelpunkt sozusagen. Weiter weg will ich nicht mehr, somit kann ich jetzt die Rückfahrt antreten und mir viel Zeit damit lassen. In der letzten Woche habe gute hundert Seemeilen von Marstal bis hier her gemacht bei mehr als dreißig Stunden unter segeln. Bevor ich über die Möglichkeiten meiner neuen Segelgaderobe schreibe, berichte ich kurz über die Stationen der letzten Woche.

Am späten Nachmittag in Marstal wartete ich noch auf ein dickes Gewitter über mir, legte danach ab und fuhr dann sechs Seemeilen weiter durch das Fahrwasser bis nach Birkholm. Dank Regenradar-App flutschte ich durch die Gewitterzellen die nördlich und südlich mit Getöse vorbeizogen. Gleich nach dem Anlegen gewitterte es auch hier. Zwei Tage beziehungsweise Nächte lag ich eingeweht auf Birkholm, zwei Tage Ruhe und Entspannung. 

Am Mittag der zweiten Tages legte ich bei abflauendem Südwestwind ab, ließ mich mit der Fock durch den Svendborgsund ziehen und ankerte am Abend in der Lunkebugt in Startposition. 

Am nächsten Morgen verließ ich den Ankerplatz noch vor Sonnenaufgang, Langeland im Osten querab. Mittags passierte ich die westliche der zwei Brücken im Großen Belt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schmal die siebzig Meter Brückendurchfahrtsbreite doch werden, wenn man mit Strom und aufgewühlter See diesen Verkehsweg über die Meeresenge durchfährt, der wie ein Kamm die Wassermassen durchpflügt. Ich habe hier normalerweise den Motor mitlaufen, um reagieren zu können, wenn das Boot querschlagen sollte. Am Nachmittag ließ ich vor Kerteminde den Anker fallen, holte etwas Schlaf nach, aß, und nahm ein Bad im Cockpit. 

Die nächste Etappe ging von Fyn nach Samsø in den Naturhafen von Langør, wo ich eine weitere Nacht vor Anker lag. Auf dem Weg dorthin hatte ich eine stetige Zunahme von drei Windstärken immer von backbord dwars. Erst mit Groß und Gennaker, dann mit Fock und Groß. Kurz darauf die Fock verkleinert, dann ein Reff ins Groß und die Fock nochmal verkleinert. Immer gut getrimmt mit vier bis sechs Knoten, ohne extreme Luvgier, ohne die ständige Angst mit zu viel Vorsegelfläche, und dem daraus resultierenden total vertrimmten Boot, nicht mehr auf Windzunahme reagieren zu können. Das hat Spaß gemacht. 

Bei Regenschauern und moderater Briese segelte ich am Freitag ,Samsø achteraus, in den Ebeltoft Vig, die Rute der Schnellfähren kreuzend. Nach kurzer Ankerpause an der Landenge von Draget, wurde es dort aber zu unruhig und ich flüchtete in den Hafen von Ebeltoft.

Und dort sitze ich nun am heutigen Sonntag in Pyjamahosen und dicken Socken im etwas unaufgeräumten Boot und schreibe jetzt noch etwas zum neuen Vorsegel.

Ich Opferte in diesem Jahr die Jüttvorrichtung, die ich nicht brauchte, in die der Fockroller integriert war, zu Gunsten einer Rollreffanlage mit darauf zugeschnittenem Vorsegel. Ich habe nun den Gennaker mit Bergeschlauch , die reffbare ca. 110%-120% überlappende Genuafock und das Großsegel mit zwei Reffreihen. Jetzt entspricht das Rigg endlich meinen Vorstellungen. Und so wie ich es beschrieben habe bei der Überfahrt nach Samsø, so kann ich nun auf Windveränderung direkt reagieren. Denn ab vier Windstärken verstärkt sich der Ruderdruck so extrem, dass ich jetzt mit etwas weniger Segelfläche vorne, das Boot austrimmen und mit Traveler und Holepunkt nachjustieren kann. Das Boot segelt aufrechter und verliert trotzdem keine Fahrt.

Ich weiß nicht mehr wie ich das vorher gemacht habe? Aber auf jeden Fall mit Bauchschmerzen, weil der Kurs den ich gerade noch so halten konnte immer enger wurde. Jetzt macht mir das Segeln eindeutig mehr Spaß. 

Und um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich habe keine Manschaft, um das Boot auszureizen. Die selbst steueranlage muss den Kurs halten können, dann kann ich trimmen, navigieren und Ausschau halten. Das Boot muss möglichst aufrecht segeln, damit ich jederzeit zum reffen oder bergen an den Mast kann. Und der Sicherheitsaspekt wenigstens ein Segel komplett aus dem Cockpit fahren zu können ist mir auch wichtig, deshalb wollte ich auch keine reine Vorstag, ohne Rolle. So soll es sein, und es funktioniert bis jetzt sehr gut. 

So werde ich auf der Rückfahrt zufrieden weiter Testen und trimmen, mit viel und mit wenig Wind.


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Eine Antwort zu Testfahrt oder das neue Segelkleid

  1. Lycka schreibt:

    Hallo Maximilian,
    Wir haben uns für die gleiche Kombination entschieden, Groß mit einer kleinen Rollgenua und als Ergänzung ein Leichtwindsegel.
    Nach den ersten Erfahrungen dieser Saison sind wir damit sehr zufrieden, nachdem wir noch leinenverstellbare Holpunkte für die Vorschot nachgerüstet haben. Damit entfällt auch der Gang auf das Seitendeck.
    Wir sind gespannt, wie es bei Dir weiter geht.
    Gute Reise von der Crew der Lycka

    PS: bist Du immer noch mit dem neuen Pinnenpilot zufrieden?

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