Tunø und die Rückfahrt 

Der Hafen, die Pfähle, der Anker und die Freiheit

Von Ebeltoft aus bin ich in der letzten Woche nach Tunø gesegelt. Auf Tunø bin ich noch nie gewesen. Als ich vor zwei Jahren hier einmal entlang fuhr, zog sich eine endlose Karavane von weißen Segeln von Århus nach Tunø und brachte den Hafen zum Bersten. Deshalb bin ich seinerzeit nach Århus ausgewichen, dort gab es allem Anschein nach ja nun freie Liegeplätze. 

Dieses Mal bin ich also in den Hafen hineingefahren und habe Tunø einen Besuch abgestattet. Im September/Oktober wird hier nur der halbe Preis berechnet, deshalb verdoppelte ich kurzerhand die Anzahl meiner Übernachtungen auf zwei. Das gab mir die Zeit für eine ausgedehnte Wanderung auf dieser Insel. 

Die vielen geschlossenen Geschäfte, Lokale Cafés und kleinen Lädchen gaben einen Eindruck davon, wie turbulente es hier im Hochsommer zugehen musste. Das Dorf Tunø By hat sich dem Tourismus sicherlich angepasst, hat aber durchaus seinen speziellen Charme behalten. Die Insulaner, Tunboer, grüßten mich  freundlich, und gaben mir ganz unaufdringlich das Gefühl willkommen und dazugehörig zu sein. Der Friedhofsgarten der kleinen Leuchtturmkirche wurde von der Küsterin gepflegt, der Postbote auf dem schwer beladenen Motorroller brachte dem Insel Künstler die Zeitung, der geschäftig im Malerkittel, aber ohne Hose, aus seinem Atelier gerannt kam, um sie in Empfang zu nehmen. Der Gemüsebauer bsstückte seine Selbstbedienungsstand, überall gab es kleine Tische mit selbst Gehäkeltem oder Eingekochtem und im Brugsen kaufte ich „die Postkarte“, denn es gab nur ein Motiv. Nach dem Vormittag in Tunø By führte mich ein Pfad rings um die Insel, vorbei an  Stränden, Steilhängen, Wiesen und Wäldern. Ich hatte eine unglaubliche Aussicht auf Samsø im Osten und das ganze südwestliche Kattegat. 

Am Mittwochmittag legte ich ab. Die nächsten zwei Tage lag ich vor Æbelø mit dem Schlauchboot setzte ich über auf die Insel und machte einen Ausflug ins Naturreservat. Ich brach noch vor Sonnenaufgang des dritten Tages auf, weil es hier bald unruhig würde und ankerte den Tag über in der Båring Bucht, um dann am Abend durch den Kleinen Belt zu fahren, wo ich dann vor Fenø übernachtete. Den folgenden Tag kreuzte ich gegen den Südostwind auf, vorbei an Brandsø und Bågø und ankerte auf der Turø Rede bei Assens. Am Sonntag nahm ich bei halbem Wind Kurs auf Søby und ging dort über Nacht in den Haven. Mit ergänztem Proviant, vollen Batterien und Wassertanks kreuzte ich in drei Schlägen runter nach Birkholm. Wo ich gerade noch einen schönen Platz  längsseits an der Ostmole ergattern konnte. 

Ich genieße diesen Zustand über Tage draußen auf dem Wasser, also durchgehend in Fahrt zu sein, tagsüber zu segeln und nachts zu ankern. Windrichtung und Stärke entscheiden zu jeder Zeit über das Handeln. Wo kann ich über Nacht halbwegs geschützt liegen? Wie verhält sich der Wind in der Zeit? Muss ich mitten in der Nacht aufstehen, weil der Wind dreht? Oder bleibe ich bis zum Mittag, weil der Wind dann moderater ist? Das Boot ist dann jederzeit Seeklar, Anker auf und weiter. Erst wenn ich dann wieder in einen Hafen gehe und die Verantwortung für das Schiff über vier Leinen an vier Pfähle abgebe, ist die Fahrt vorbei, und irgendwie auch der Rausch der grenzenlosen Freiheit auf dem Wasser. Pfähle engen ein, aber bieten eben auch Schutz.

Hier auf Birkholm bleibe ich ersteinmal an den Pfählen liegen und schere mich nicht um Windrichtungen sondern gehe jetzt lieber baden.


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Eine Antwort zu Tunø und die Rückfahrt 

  1. Made schreibt:

    Sehr interessant!

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