Schären bringen Glück 

In den letzten Tagen habe ich mich von Schäre zu Schäre gehangelt. Je einsamer je besser, wie ich fand. Von Tärnö habe ich ja noch geschrieben, dann bin ich weiter gezogen nach Brorsö, Bockö, Harön und jetzt Karön, kurze Strecken, von einer bis zehn Seemeilen. Zum Aufbruch blies immer nur der Wind, der sich ständig änderte, so daß ich mir täglich einen neuen Ankerplatz suchen musste. Gut so,denn auf diese Weise bin ich wenigstens herumgekommen. Die Tage habe ich mit Inselerkundungen und dem täglichen Bad in der Ostsee verbracht. 

Am Mittwoch Mittag verließ ich den Ankerplatz in der Bucht von Tärnö, hier war es doch etwas zu belebt. Ich setzte die Fock und segelte durch dasverschlungene  Schärenfahrwasser. Knapp zwei Meilen weiter sah ich eine Bucht, so schmal, dass nur ein Boot in ihr Platz hatte und die von drei Seiten geschützt war. Ich ankerte im Brorsövig. Die Exkursion auf die Schäre viel leider kurz aus, weil der hiesige Schafsbock mich hier nicht duldete, und der hatte sehr spitze Hörner, Ureinwohner eben. Dafür hatte ich nun mehr Zeit zum Schwimmen von der Badeleiter aus. Komisch, so ganz unbeobachtet brauche ich aber auch wesentlich länger um in das kalte Wasser hinunter zu kommen.

Am nächsten Tag musste ich weiter, denn ich lag hier bei dem vorhergesagten Wind zur See hin offen und der Anker war auch nicht besonders tief eingegraben wie ich feststellte. Deshalb wollte ich eine Meile weiter nach Bockö, besondere Herausforderung: am Stein festmachen. Das ist als Einhandsegler nicht so einfach. Ich kann nicht hinten einen Anker werfen und gleichzeitig vorne schauen, dass ich nirgends gegendonnere. Also ankerte ich klassisch in der Bucht, fuhr mit dem Beiboot zum Felshaken und verholte das Boot mit einer fünfzig Meter langen Leine langsam zum Felsen. Der Buganker wurde dabei zum Heckanker. Die Schafe von Bockö waren mir dieses Mal auch gut gesonnen.

Da für die kommenden Tage Starkwind angesagt war, hatte ich am Freitag eine Distanz von etwa zehn Meilen zurückgelegt, um in die Gegend südlich vom Ronneby zu gelangen. Anfänglich setzte ich das Vorsegel, aber in den ungeschützten Küstenabschnitten stand schon eine starke Welle gegen einen eher verhaltenen Wind, das war ein Tanz mit schlagendem Segel. Deshalb motorte ich die übrige Stecke durch die beeindruckende, raue Landschaft mit den vielen kleinen und großen Felsen die links und rechts aus dem Wasser ragten. An der Schäre Harön legte ich am nördlichen Steg an. 

Nachts blies starker Wind mit Regen, der am Nachmittag zurückkehren sollte. Präpariert zum baldigen wiederanlegen legte ich am Morgen ab und lief durch das flache Fahrwasser eine Meile Richtung Karön-Ekenäs. Das Wasser war mit 1,60m Tiefe angegeben und ja, streckenweise nur 20cm unter dem Kiel besonders bei 20m breiten Felsdurchfahrten sind gewöhnungsbedürftig. Eine Seemeile kann lang sein. Ich machte am Gastanleger von Karön fest, eine Schäre auf der vor 150 Jahren verhältnismäßig  große Villen gebaut wurden, ähnlich wie ein Kurbad.

 Trotzdem herscht eine sehr angenehme und entspannte Stimmung, es ist auch derzeit nicht sehr voll. Das Bad im Meer habe ich gegen die Dusche eingetauscht und Schafe gibt es hier auch nicht. Nein im Gegenteil, der Zivilisationsgrad wirkt sehr resozialisierend auf mich. Und angeschlossen ans regionale Stromnetzt zelebrierte ich gestern einen Pizzaabend.

Heute bin ich mit der Fähre zum Festland und mit dem Fahrad zum Einkaufen nach Ronneby gefahren. Bei den Bergungsarbeiten zur Befreiung des Bordrades stellte ich fest, wieviel unnützer Kram doch noch so in der hinteren Backskiste herumlag.

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