Sturm und Drang

Na ja, es drängte mich zurück in meinen Lieblingshafen, und zwar bevor der Sturm kommt. Die letzten achzig Meilen nach Birkholm bin ich im Prinzip durchgefahren. Abends ankerte ich vor Omø, um noch vor Sonnenaufgang weiterzusegeln. Von den achzig Meilen könnte ich nur circa fünfundzwanzig Meilen auf den Motor verzichten, weil entweder der Wind einschlief oder er gleichermaßen direkt von vorne blies. Gerne hätte ich mir für die letzte Strecke mehr Zeit gelassen, aber ich wollte unbedingt vor dem Sturmtief hier sein, hier auf Birkholm und das hatte ich mir einiges an Diesel kosten lassen. Zur Erklärung sollte ich vielleicht sagen, dass Birkholm soetwas wie mein Basislager darstellt. Schon in den letzten Jahre hatte ich meine Touren immer in Birkholm ausklingen lassen. Letztes Jahr um diese Zeit waren es hochsommerliche Temperaturen die mich hier nach meinem Törn noch eine Woche Badeurlaub machen ließen, und der Hafen war damals rappeldicke voll. Dieses Mal teile ich mir das Hafenbecken nur mit Hein, der mit seinem Motorsegler gegenüber liegt. Die Ruhe hier ist derzeit nahezu greifbar und bietet mir einen angemessenen Ausklang meiner Reise. Ich habe viel Zeit für kleinere Reparaturen und zum aufräumen. Ich kann hier in Ruhe nichts tun, joggen, Hörbuch hören, Schauen wer so im Fahrwasser vorbeisegelt und meine Vorräte aufessen. frisches Obst und Gemüse kann ich an einem Stand mitnehmen und Eis gibt es im Eisschrank beim Versammlungshaus im Dorf. Doch damit es nicht so ganz Eintönig wird, kommt ja noch das Sturmtief herangezogen, weswegen ich ja früher als geplant hierher gekommen bin.

Mittwoch ging also der Zyklon hier durch. Es pustete und pustete, das Boot legte sich mehr und mehr auf die Seite und es hörte einfach nicht mehr auf. Ich maß einmal neun Windstärken mit dem Windmesser aus der Hand. Hain war Nachmittags zu Kaffee und Kuchen bei mir eingeladen und zusammen machten wir den Hafen etwas Stumfester. Am Abend war die Spitze erreicht, der Heizlüfter ratterte und Tee dämpfte aus dem Becher bis auf die zehn bis zwanzig Grad Lage die das Boot macht, war es drinne recht kuschelig, während draußen der Sturm laut brüllte. Allerdings fehlte heute Morgen, als ich mich aus der Koje wühlte, etwa ein Meter Wasser in der gesamten Dänischen Südsee.

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Eine Antwort zu Sturm und Drang

  1. Marcel schreibt:

    Moin moin, gerade wieder Deinen Blog gefunden – wie ist es denn weitergegangen? Sitzt Du noch auf Birkholm? Oder schon wieder im RTW? – Diese schöne Geschichte braucht noch ein Ende 🙂

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